Das WWG-Bergneustadt -
  Eine Legende bei Jugend forscht
 

   
 

 

 

 
 
 
Rebecca Sprunkel  (9),  Nastasja  Kleinjung (9), Niels Kuschmierz (9)
Biologie 
 

K u r z f a s s u n g
 

 Jetlag beim Habichtskraut 

Eine Untersuchung zur Gattung Hieracium im Raum Bergneustadt - Gummersbach

Auf einem Steilhang in Gummersbach haben wir viele gelb blühende Pflanzen gefunden, die unser Interesse geweckt haben. We-gen vieler ähnlicher, schwer unterscheidbarer Gattungen bereitete uns die Bestimmung von Anfang an größere Schwierigkeiten. Erst durch umfangreiche Vergleichsuntersuchungen ist es uns schließlich gelungen, diese sicher den „Habichtskräutern“ (Familie: Asteraceae (Asterngewächse) oder Compositae (Köpfchenblüher), Unterfamilie: Cichorioideae (Wegewartegewächse) oder Ligu-ligflorae (Zungenblütler) und Gattung Hieracium) zu zu ordnen.. Immer wieder wird in der vorliegenden Literatur darauf hinge-wiesen, dass eine sichere Artbestimmung in dieser äußerst formenreichen Pflanzengattung (über 600 Subspezies mit über 1000 Zwischenarten) nur eingearbeiteten Spezialisten gelingt, also sehr problematisch ist. Durch sehr umfangreiche Merkmalsverglei-che sind wir aber der Meinung, dass die insgesamt 11 Arten, die wir im Raum Gummersbach-Bergneustadt gefunden haben richtig bestimmt, in Einzelfällen aber wenigstens korrekt dem passenden Formenkreis zugeordnet sind. Durch eine umfangreiche Samm-lung analoger und digitaler Fotos, gepresster (Herbarium) und getrockneter Pflanzen mit Samenbank und detaillierter Merkmalssteckbriefe mit Messreihen zur Größe und Proportion einzelner Merkmale und Detailzeichnungen  können wir die Arten anschaulich präsentieren und daran allgemeine und besondere Kennzeichen, Bestimmungsprobleme und Verwechslungsmöglichkeiten darlegen. Außerdem haben wir eine Verbreitungskarte im Raum Gummersbach angefertigt und dabei Ausbreitungstendenz und -modus (Samenbildung, -verbreitung und -keimung) diskutiert. Besonders erfreulich war dabei, dass sich die noch vor Jahren als gefährdet angesehenen Bestände dieser Pionierpflanzen (Straßenränder, Schotter, steinige und felsige Steilhänge) in unserer Region erholen und sich weiter ausbreiten. 
Das ca. 25 Jahre alte, durch Straßenbau entstandene steinig-felsige Steilhangbiotop ähnelt von seinen Leitpflanzen (Gemeines Blaugras / Seslaria albicans) her einer natürlichen, ebenfalls mit Habichtskrautarten durchsetzten blaugrasreichen Kalkmagerwiese (Seslerio-Mesobromion). Auf Grund ihrer Anspruchslosigkeit, Blühfreudigkeit, ständigen Keimungsbereitschaft und Schnell-wüchsigkeit sind einige dieser Pionierarten besonders  im Straßenbau zur wenig aufwändigen und damit kostengünstigen Stabili-sierung frisch abgetragener, lehmiger, felsiger und steiniger Hänge geeignet. Auch wenn die Pflanzen vom Nektar- und Pollenge-halt her nur der Stufe 2 (mäßig) zugeordnet werden und sich der Insektenbesuch bis auf Zottel-, Pelz- und Seidenbienen, Schein-bockkäfern (Grüner Schenkelkäfer / Oedemeridae podagrariae) und dem selteneren, aber in großer Populationsdichte vorkommen-den Bockkäfer <Phytoecia cylindrica> sehr in Grenzen hält, liegt der ökologische Wert der Pflanzen für viele Insektenarten vor allem in der ständigen Verfügbarkeit durch die sich überlappenden Blühphasen (Blüten von Anfang Mai bis zum ersten Schnee Anfang November ?Blühkalender mit sich zum Teil mehrfach überlappenden Blühphasen) 
Experimentell sind wir besonders der Frage nach der Auslösung und Steuerung der Wachstums- und Entwicklungsvorgänge nach-gegangen. Durch die gelungene Aufzucht aus Samen bis zur Samenreife bot sich uns die Möglichkeit alle Lebensphasen im Labor und Freiland genauer zu studieren und nach Ursachen zu hinterfragen. Dabei standen besonders die Auswirkungen der abiotischen Faktoren „Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit“ als Auslöser und Regulatoren (Stängel- und Blütenentwicklung, Öffnungs- und Verschlussmechanismen bei Blütenköpfchen und Samenständen, Keimung) im Vordergrund. Weil sich mit der Lichtstärke auch die Temperatur und die relative Luftfeuchtigkeit ändert, war die Zuordnung von Ursachen oft strittig und somit sehr schwierig. Nur mit umfangreichen Experimenten ist es uns dann gelungen, zu eindeutigeren Aussagen zu kommen. Gleichzeitig hat sich dabei herausgestellt, dass an den Vorgängen auch noch zusätzlich eine Innere Uhr beteiligt ist, die durch individuelle Unterschiede und in Kombination mit Schwankungen im Kleinklima immer wieder zu Abweichungen im erwarteten Ergebnis geführt hat. Erst als wir die einzelnen Faktoren in ihren Auswirkungen genauer studiert haben, ergab sich die Möglichkeit einer konkreteren Vor-aussage des Verhaltens (z. B. Lichtsteuerung beim Öffnen und Verschließen der Blüten). Im Grundsatz lassen sich dabei die Vor-gänge auch mit dem normalerweise nur bei tierischem Verhalten angewendeten hydraulischen Modell von Konrad Lorenz gut erklären. Allzu häufige Ortswechsel führen durch die damit verbundenen Veränderungen der Lichtverhältnisse leicht zur Störung der Inneren Uhr und somit, wie beim Menschen,  zu einem fortschreitenden pflanzlichen Jetlag.